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Schimmelhengst
Schimmelhengst "Calcuta"

Brasilien

Freizeitreiten, Distanzreiten, Dressur

1,40 bis 1,57 m

Alle Farben

Ursprung

Die Rasse soll 1812 zu Zeiten Napoleons entstanden sein, als die portugiesische Königsfamilie gezwungen war, ins Exil, nach Brasilien zu gehen. Dabei wurden einige der besten portugiesischen Pferde mitgenommen.

Zuchtgebiet(e)

Allgemeines zur Pferderasse

 Die Mangalarga Marchadores (sprich: Marschadores) gehören zu den sogenannten “Gangpferden”.

Das heißt, dass sie neben den Grundgangarten Schritt und Galopp eine ergänzende, oder den Trab ersetzende Gangart aufweisen, die “Marcha” .

Dieser Gang, dem diese Rasse ihren Namen verdankt bewirkt, dass immer zwei oder drei Beine Bodenkontakt haben, während beim Trab eine Schwebephase in den Bewegungsablauf gehört.

Das Fehlen der Schwebephase in der Marcha ermöglicht dem Reiter ein ruhiges, fast erschütterungsfreies Sitzen was für alle Reiter sehr angenehm ist, besonders natürlich für Reitanfänger aber auch für Menschen, die aufgrund einer körperlichen Beeinträchtigung beim Trab Probleme haben.

Exterieur

Zunächst einiges über die Marcha:

Über die Definition der Marcha wurden schon vielfältige Diskussionen geführt.  Man kann den Gang grob unterscheiden zwischen zwei Varianten die sich besonders von der Optik her deutlich trennen lassen:

Da ist zum einen die Marcha Picada. In der Picada zeigt das Pferd kürzere und höhere  Bewegungen, die Hinterhand tritt oft weniger weit unter, vom Klangbild ist ein Viertakt im Rhythmus “Black-und-Decker” zu hören.

Da viele dieser Pferde keine reine Picada gehen, sondern die Lateralphase unter Umständen stärker ausgeprägt ist, kann sich der Klang verändern. Pferde, deren Lateralphase länger ist als die Diagonalphase (häufig zu sehen z.B. bei anderen Gangpferden) fallen zwar auch in die Kategorie "Picada", dieser Gang entspricht aber nicht dem Zuchtziel der Marchadores. (s.u.)

Picadapferde sind für den Reiter meistens sehr weich zu sitzen. Zeigen sie eine übermäßig hohe Aktion können sie jedoch durchaus als unangenehm empfunden werden. 

Die Marcha Batida ist die andere Variante der Marcha. Das Pferd zeigt hier eine deutliche diagonale Bewegung, die Aktion der Vorhand ist flacher und vor allem raumgreifender, die Hinterhand tritt weit unter. Vom Klangbild ist ein Zweitakt mit oftmals sehr kurzem Echo zu hören.

Auch in der Batida gibt es keine Schwebephase, so dass der Reiter beständig im Sattel sitzen kann, die Schaukelbewegung des Beckens ist etwas stärker als in der Marcha Picada, dafür gehen die meisten Batidapferde regelmäßiger. Das macht sie  sehr angenehm zu sitzen. Die laterale Phase in der Fußfolge ist bei Pferden der Marcha Batida unter Umständen sehr kurz. 

Die Marcha Media, auch als Marcha Ideal, Marcha Verdadeira oder Marcha do Centro bezeichnet, ist ebenfalls ein optisch diagonal verschobener Gang. Hier soll der Raumgriff der Batidapferde mit der Bequemlichkeit der Picadapferde vereint werden.

Der Übergang zwischen den Gängen ist fließend und viele Marchadores bieten mehrere Gangvarianten an.

Damit widerlegt sich schon die oft geäußerte Meinung, MM seien absolute Anfängerpferde! Es gilt die Maxime: Je mehr verschiedene Gänge ein Pferd gehen kann, desto geübter muss der Reiter sein um diese Gänge zu erkennen und zu reiten. 

Die für den Tölt typische Einbeinstütze, an der man das Gangpferd so gut erkennen kann, wird beim Marchador nicht gerne gesehen da sie meist ein Zeichen zu hoher Geschwindigkeit oder zu starker Verspannung ist. 

Im Original der brasilianischen Zuchtzielbeschreibung, im Padrão da Raça ist von Einbeinstütze keine Rede! Hier wird die Marcha wie folgt beschrieben:

IX – Andamento:

1-       Marcha: andamento marchado, simétrico, a quatro tempos, com apoio alternado dos bípedes laterais e diagonais, sempre intercalados por momentos de tríplice apoio.

Características ideais: regular, elástico, com ocorrência de sobrepegada ou ultrapegada, equilibrado, com avanço sempre em diagonal e tempos de apoio dos bípedes diagonais maiores que laterais, movimento discreto de anteriores, descrevendo semicírculo visto de perfil, boa flexibilidade de articulações.

Marcha: ein marschierender Gang, symmetrisch, in vier Zeiten (Takten), mit einer wechselnden Zweibeinfußung im Lateralen und Diagonalen immer unterbrochen durch Momente einer Dreibeinfußung. 

Ideale Merkmale (Anm. Marcha ideal): regelmäßig, weich, mit einem Vorkommen von Übertreten oder Auftreten (Anm. Siegeln) des Vorderhufabdrucks, ausbalanciert, wobei die Bewegung immer in der Diagonalen beginnt und die Dauer der Fußung in der diagonalen Zweibeinstütze länger ist als in der lateralen, die Bewegung der Vorderbeine unauffällig (Anm. unspektakulär), von der Seite gesehen einen Halbkreis beschreibend mit einer guten Biegung der Gelenke.

 

Das Exterieur:

Bei gut 400.000 Marchadores in Brasilien dürfte klar sein, dass es recht unterschiedliche Typen gibt. Man findet den kräftigen barocken Typ ebenso, wie den feingliedrigeren araberähnlichen.

Dennoch gelten einige Kriterien, festgehalten im Padrão da Raça (der Zuchtzielbeschreibung) als maßgebend, damit ein MM (übrigens sowohl Hengst wie auch Stute) gekört, d.h. registriert wird.

So darf das Stockmaß eines Marchador nicht weniger als 1.40m (Stuten) und nicht mehr als 1,57m (Hengste) betragen. Der Durchschnitt liegt bei etwa 1,50m.

Die Pferde sollen von edlem, harmonischem Erscheinungsbild sein, mit einer guten Sattellage, das heißt, der Widerrist sollte ausgeprägt sein.

Der Rücken ist gerade, die Kruppe fällt leicht schräg ab und ist gut bemuskelt. Der Hals ist gut angesetzt und ermöglicht dem Tier eine natürliche Aufrichtung. Der Rumpf verfügt über genügend Gurtentiefe für ein großes Lungenvolumen.

Der Kopf soll ausdrucksvoll und edel sein, weder konkav (Hechtkopf) noch konvex (Ramskopf), mit großen Augen.

Der Unterbau der Pferde soll kräftig und trocken sein mit einem guten Röhrbeinumfang. Die harten, kräftigen und möglichst dunkeln Hufe sollten eine Stellung von 51 – 53° vorne und 52 - 54° hinten haben.

Die Schulter wird lang und schräg gewünscht, Mähne und Schweif sollen fein und seidig sein.

Insgesamt wird auf viel Ausdruck Wert gelegt und es ist wünschenswert einem MM auch sein Geschlecht anzusehen.In der Farbgebung ist fast alles erlaubt, von der Zucht ausgenommen werden aber Pferde mit den Farben Cremello, Perlino und reine Albinos, sowie andersfarbige Pferde mit blauen Augen.

Dies sollte auch in Europa Berücksichtigung finden, auch wenn es manchem MM Besitzer schwer fallen mag auf die Zucht mit seinem Pferd zu verzichten.

Für die Zuchtverbände der einzelnen Bundesländer ist in jedem Fall das Padrão da Raça maßgebend. 

In Brasilien sind Schimmel prozentual am häufigsten vertreten. Weniger häufig gibt es Braune und Falben, eher selten sind Rappen und Füchse. Auch gescheckte Marchadores, die unter der Bezeichnung „Pampa“ geführt werden, gibt es. 

 

Wie überall auf der Welt unterliegt auch der Trend in Brasilien diversen Moderichtungen und zur Zeit werden ausgefallenen Farben wie Palominos mit heller Mähne, Rappen oder Schecken bevorzugt, was sich deutlich in den Preisen niederschlägt.

 

Da werden auch schon mal Fohlen für 45.000 US$ gehandelt, Zuchtstuten wechseln für 120.000 US$ und mehr den Besitzer.

 

Interieur

Mangalarga Marchadores erfreuen sich besonderer Beliebtheit bei Freizeitreitern welche die Bequemlichkeit, aber auch die anderen positiven Eigenschaften ihrer Pferde, vor allem den Charakter zu schätzen wissen.

Da Mangalarga Marchadores als Arbeitspferde gezüchtet wurden, war von jeher der Charakter von entscheidender Bedeutung!   In Brasilien sind Wander- oder Trailritte, aber auch “Enduro” (Distanzsport) sehr beliebt und arten oft in Volksfestcharakter aus.

Und auch in Deutschland entdecken Distanzsportler zunehmend den Mangalarga Marchador. Welch großartige Leistungen diese Pferde bei entsprechendem Training bringen können, beweist der Hengst "Heroi do Cheyenne" von Susanne Güldenpfennig – Hinrichs, der schon so manchen Konkurrenten hinter sich gelassen hat!

Aufgrund ihrer guten Flexibilität lassen sich Marchadores durchaus auch dressurmäßig reiten, wieder andere werden in Anlehnung an die Westernreitweise ausgebildet und auch Kunsstücke lassen sich mit Marchadores trainieren.

 

Zuchtgeschichte

Einen Hengst der Rasse Altér schenkte der Prinzregent Dom Joāo seinem Freund, dem Baron von Alfenas, und aus diesem Hengst mit dem Namen “Sublime” und  einheimischen Stuten entsprangen Pferde, die sich durch einen besonders weichen Gang auszeichneten und gezielt weiter gezüchtet wurden.

Besonders die Fazenda “Mangalarga” im Bundesstaat Minas Gerais (dem Land der Minen) tat sich in der Zucht hervor und es wurde Sitte bei den reichen Großgrundbesitzern bei ihren Reisen über Land, Pferde von der Fazenda Mangalarga mit jenem besonderen Gang, der Marcha zu erwerben – Mangalarga Marchadores eben.

Erst 1949 schlossen sich die Züchter des Pferdes der Rasse Mangalarga Marchador in der Associaçăo Brasileiro dos Criadores do Cavalo Mangalarga Marchador (ABCCMM) zusammen, dem heute noch bestehenden brasilianischen Zuchtverband, dem mehr als 6.000 Züchter und etwa 400.000 registrierte Mangalarga Marchadores angehören.

Mitte der 90er Jahre veränderte sich das Gangbild des Marchador von einem sehr weich gehenden Pferd mit Marcha Picada / Batida, zu deutlich diagonaler gehenden Pferden.

Obwohl sich das offizielle Zuchtziel im Padrão da Raça nicht geändert hat, wurden auf Championaten fast nur noch Pferde prämiert, die weder eine Lateralphase, noch eine Dreibeinfußung im Gangbild haben. Dafür zeigen einige von ihnen eine deutliche Schwebephase. 

Unter den Pferden, die in der EMA, der Schule der ABCCMM geritten werden, fand sich im Jahr 2001, als ich dort einen Kurs absolvierte, nicht ein einziges mit Marcha Picada!

Diese Zuchtpolitik, die vermutlich finanzielle Hintergründe hat, wird auch in Brasilien vermehrt von Marchadorzüchtern kritisiert.

Inzwischen tritt hier auch wieder eine Veränderung ein und der Marcha Picada wird zunehmend größere Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegengebracht! Nicht unerheblichen Beitrag daran, hat sicherlich der Wechsel in der Präsidentschaft der ABCCMM.

(Alle Texte und Bilder mit freundlicher Genehmigung von www.mangalarga-marchador.de

Quelle(n)

http://www.mangalargamarchador.de

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